Bio–Weine - Teil 1: Herstellung, Kosten und Geschmack


Vorwort
Dieser Blogbeitrag soll keine vollständige Arbeit über den biologischen Weinbau darstellen. Dafür gibt es andere und ausführlichere Lektüren. Es geht mir darum, die verschiedenen Möglichkeiten aufzuzeigen und Ihnen einen Überblick zu verschaffen - eine Entscheidungsgrundlage, was Sie für sich gerne kaufen möchten und was nicht. Einige erstaunliche Wahrheiten befinden sich ebenfalls in diesem Beitrag. Viel Spass beim Lesen!

Bio-Weine
Die Industrialisierung und die moderne Landwirtschaft brachten dem Menschen viele Vorteile, aber nicht nur. Vieles, das einfacher wurde, erkannte man später als ungesund für den Menschen und schädlich für die Natur. Wie kann ein Mensch, der einerseits auf seine Gesundheit und andererseits auf eine intakte Natur Wert legt erkennen, ob ein Produkt in seinem Sinne hergestellt wurde? Die Idee eines Labels ist gut. Wie alles auf dieser Welt muss jedoch auch das Biolabel finanziert werden. Es gibt einerseits verschiedene Unternehmen, die zertifizieren und andererseits gibt es unterdessen auch verschiedene Anbieter von Labels. Wer meint es nun besonders ernst, und wer ist da vorwiegend ins Marketing abgerutscht?

Bio-Weine oder wirklich naturnah hergestellte Weine?
In den letzten Jahren durfte ich mehrere hundert Winzer besuchen und ich wundere mich noch heute vielfach über die Differenz zwischen der Vorstellung der Konsumenten und Winzer. Kaufen doch viele Menschen mit bester Absicht ihre Bio-Weine zu günstigen Preisen im Grossverteiler. Die Hersteller sind Weinfabriken, alles wird maschinell und ganz sicher nicht im Sinne der Natur oder des Menschen gemacht. Trauben werden zugekauft, und jeder Produzent hat eine komplett andere Einstellung zur Natur. Hier geht’s um sehr viel Geld. Diese Unternehmen halten zwar zumindest vordergründig alles, was das Label vorschreibt ein, aber mit gesunden Weinen kann das nichts zu tun haben! Als Beispiel: Der kleine Winzer nebenan, der wirklich alles von Hand macht und mehr als biologisch arbeitet, hat kein Geld, um sich zertifizieren zu lassen; zudem hat er gar kein Interesse an diesem Label, da der grosse Nachbar so zertifiziert ist. Dies ist ein Hohn für den kleinen Produzenten! Nur – welchen Wein kauft die Person, die einen biologischen Wein trinken möchte? Läuft da nicht etwas ganz gründlich schief? Doch, mit ganz grosser Sicherheit. Die Labels leben am Schluss auch von Ihren Kunden und nicht von der Natur. Hier liegt einer der grössten Fehler.

Ist Bio immer = sinnvoll?
Im Prinzip ja, aber….
In feuchten Regionen ist es um einiges schwieriger und in ganz feuchten Jahren dann sogar sinnlos, biologische Weine herzustellen. Die Reben lieben es warm, trocken und windig. Umso nördlicher, umso mehr hat man mit Pilzen, Unkraut usw. zu kämpfen. Für uns im Languedoc-Roussillon ist das ein riesengrosser Vorteil. Der Wind, die trockene Luft und die wilde Garrigue mit grosser Biodiversität schützen die Reben, und es ist in den meisten Regionen des Languedoc-Roussillon sehr einfach, biologische Weine herzustellen. Das war wohl auch der Grund, weshalb bereits der römische Kaiser Augustus seine Weine in Narbonne (La Clape) anpflanzte, es gab damals noch keine Chemie. Der «Ausgleich der Natur», der nun gemäss EU gemacht werden soll, macht von mir aus gesehen wenig Sinn. Im Süden müssen Weizen und Sonnenblumen kultiviert werden und im Norden mehr Weinreben. Das ist gegen die Natur und kann nicht in ihrem Sinne sein. Dass Monokulturen der Biodiversität keinen Platz bieten, ist nachvollziehbar. Und es ist ein guter Ansatz, sie zu verhindern. Allerdings sollte die Pflanzenvielfalt vorwiegend aus heimischen Pflanzen bestehen. Momentan ist «aus der Region für die Region» sehr modern, aber macht das wirklich Sinn? Und ist das wirklich ökologischer? Nein – nur dann, wenn die Pflanzen heimisch sind und ohne grösseres menschliches Zutun gedeihen!

Kosten und Geschmack

Muss ein Bio-Wein teurer sein? Nein, nicht unbedingt. Wie oben beschrieben, kommt es sehr darauf an, wo die Trauben wachsen. Wenn man die Anzahl Behandlungen der Reben von Bordeaux mit dem Languedoc-Roussillon unter dem Aspekt des konventionellen Anbaus vergleicht, sieht man sofort, dass die Bedingungen am Mittelmeer um einiges besser sind als am Atlantik. Somit ist der Bioanbau am Mittelmeer auch um einiges günstiger als in der Atlantikregion. Auf den Preis hat die naturnahe Produktion nur bedingt Einfluss. Definitiv für Zusatzkosten sorgt das Schweizer System. Arbeitet ein Winzer in Frankreich mit dem Zertifikat «bio», müssen wir als Importeur unsere Lieferanten in der CH nochmals zusätzlich mit «unserem» Biolabel zertifizieren lassen, obwohl das in Frankreich eigentlich schon erledigt ist. Dies führt zu massiven Mehrkosten pro Flasche, ist eine reine Alibi-Übung, und  das in der Schweiz zuständige Organ sagt: «Sie können diese Weine ja auch teurer verkaufen, denn der Konsument, der Bio will, der bezahlt auch mehr». Das ist eine Frechheit und grundsätzlich falsch. Wenn, dann sollten konventionelle Weine höher besteuert werden… aber lassen wir das! Es gibt verschiedene Meinungen hierzu. Ein echter Vorteil für Haute Valeur Environnementale oder Terra Vitis – diese werden in der Schweiz nicht nochmals separat zertifiziert. Da es sich hier um französische Zertifizierungen handelt, kommen von der Schweiz keine Zusatzkosten dazu. 

Ist der Geschmack eines Bio-Weins besser oder schlechter?
Auch dies lässt sich nicht so einfach beantworten. Je nach Produzent bemerkt man als Kenner sehr schnell, dass ein Wein biologisch hergestellt wurde. Vor allem bei den sehr modernen Naturweinen, die fast wie im Mittelalter, teilweise trüb, ohne Temperatursteuerung und mit Naturhefe ausgebaut werden, unterscheidet sich der Geschmack sehr stark von klassisch biologisch produzierten Weinen. Es gibt heute aber viele Produzenten, wie Charles Perez (Mas Becha), Mas Baux, Villa Dondona und so weiter, bei deren Weinen auch der beste Kenner nicht herausfindet, ob sie biologisch oder konventionell hergestellt wurden. Heute sind biologisch hergestellte Weine definitiv nicht mehr zwangsläufig schlechter als konventionell hergestellte Weine.

Nächste Woche geht es um verschiedene Labels mit denen auch unsere Weine zertifiziert werden und die generell im Languedoc-Roussillon bzw. Frankreich sehr verbreitet sind. Ausserdem gibt es mein persönliches Fazit zum Thema Bio-Weine.
Ihr könnt gespannt sein, es geht genau so interessant weiter!

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